Übergeber

Für den Übergeber ist die Weitergabe seines Unternehmens an einen Nachfolger ein großer Schritt. Neben dem emotionalen Loslassen geht es auch um den Fortbestand des Unternehmens, den passenden Nachfolger, die eigene Alterssicherung und vieles mehr. Eine rechtzeitige und um­fassende Auseinandersetzung fällt vielen Übergebern deshalb nicht leicht. Dies ist aber für eine erfolgreiche Übertragung unabdinglich.

Welche Punkte sollten von Ihnen als Übergeber besonders beachtet werden?

Nachfolge frühzeitig regeln

Eine Unternehmensnachfolge ist ein Prozess, der sich nicht selten über mehrere Jahre hinweg zieht.

Das Einläuten des Übergabeprozesses beginnt selten zu früh, aber leider häufig zu spät. Nehmen Sie sich daher ausreichend Zeit und planen Sie gut! Fachleute raten, dass ein Betriebsinhaber einen Zeitrahmen von mehreren Jahren für den Prozess der Unter­nehmens­über­gabe, von den ersten Planspielen bis zur tatsächli­chen Übergabe, einkalkulieren sollte.

Weitere Informationen zur frühzeitigen Regelung der Nachfolge erhalten Sie im Wegweiser Unternehmensnachfolge unter Je früher, desto besser (PDF auf externem Server).

Das eigene Unternehmen fit machen

Stellen Sie sich als Unternehmer am Anfang der Übergabeplanung unbedingt folgende Frage: Ist mein Unternehmen bereit für eine Über­gabe? Sehr häufig haben Unternehmer, wenn sie sich auf Nach­folger­suche begeben, ihre Firma nicht auf Vor­der­mann gebracht und wichtige Entscheidungen zurückgestellt. Es sind aber gerade die positiven Zukunftsaussichten eines Unternehmens, die die entscheidenden Erfolgskriterien im Nachfolgeprozess bilden. Für potentielle Nachfolger zählt nämlich nicht nur der Wert des Unter­nehmens bei der Übergabe, sondern auch die Höhe der In­ves­ti­tionen, die gegebenenfalls noch getätigt werden müssen. Je besser der Betrieb auf die Nach­folge eingestellt ist, desto leichter ist es, einen fähigen Nachfolger zu finden und einen guten Verkaufs­preis zu erzielen. Als Über­geber sollten Sie Ihr Unter­nehmen daher gut auf eine Über­gabe vorbereiten. Berücksichtigen Sie dabei folgende Aspekte:

  • Die Organisationsstrukturen im Unternehmen müssen entsprechend der Betriebsgröße klar definiert sein.
  • Das Unternehmen sollte über nachhaltige Finanz- und Kapital­strukturen verfügen sowie einen stabilen Ertrag und Cashflow aufweisen.
  • Der Auftragsbestand und der (künftige) Auftragseingang sollten klar dargestellt werden.
  • Das Rechnungswesen muss etabliert und aussagekräftig sein.
  • Auf die Planungs-, Steuerungs- und Kontrollinstrumente, also auf das Controlling, muss Verlass sein.
  • Es sollte keinen Investitionsstau im Unternehmen geben und auch keine wesentlichen offenen Baustellen, wie zum Beispiel aus dem Ruder gelaufene F&E-Projekte oder ungeklärte recht­liche, steuerliche und bilanztechnische Fragen. Alle Firmen­daten wie Kundenkartei, Mitarbeiterakten und Bilanzen sollten eindeutig und vollständig dokumentiert und verfügbar sein.
  • Spezielles Unternehmens-Know-how, wie beispielsweise Her­stellungs­verfahren, Patente, Firmen­geheim­nisse, Unter­nehmens­abläufe oder Workflows, sollte umfassend dokumentiert sein.
  • Die Gesellschaftsverträge, Testamente oder Erbverträge und andere für die Nachfolge relevanten Verträge und Willenserklä­run­gen sollten auf dem aktuellen Stand und inhaltlich aufeinander abgestimmt sein.

Zur Abarbeitung der oben genannten Fragestellungen helfen Ihnen die Checklisten des BMWi sowie die Checkliste der IHK (PDF auf externem Server).

Wie finde ich den richtigen Nachfolger?

In der Wunschvorstellung vieler Firmeninhaber soll die Unter­nehmens­nach­folge innerhalb der Familie erfolgen. Was kann man aber tun, wenn dort kein geeigneter Nachfolger zur Verfügung steht? Nicht selten kommt es vor, dass keine Kinder vorhanden oder diese an einer Übernahme nicht interessiert beziehungsweise nicht dafür qualifiziert sind.

Um den Fortbestand eines Unternehmens zu sichern, kann der Betrieb auch von einem oder mehreren Mitarbeitern oder einem firmenexternen Nachfolger übernommen werden. Als weitere Alternative kommt der Verkauf an ein anderes Unternehmen in Frage.

Wichtig: Beurteilen Sie Ihren möglichen Nachfolger nicht danach, wie ähnlich sein Charakter und Führungsstil Ihrem eigenen entspricht, sondern formulieren Sie sein Anforderungsprofil nach den Erfordernissen des Unternehmens. Was bedeutet das genau?

Folgende Punkte sind für Sie eine wichtige Orientierungshilfe:

  • Unternehmerisches Talent des Nachfolgers
  • Persönlicher Eindruck: Passt der potentielle Nachfolger zum Unternehmen?
  • Fachliche Qualifikation: Hat der potentielle neue Chef das notwendige Fachwissen – kennt er die Branche?
  • Hat er die nötigen Zulassungsvoraussetzungen, wie z.B. Meisterbrief oder andere für Ihre Branche nötigen Zulassungen und Fähigkeitsnachweise?
  • Hat der potentielle Nachfolger Führungsqualitäten? Ist er kommunikativ und kann er sich und andere motivieren?
  • Hat er überzeugende Konzeptionen und Visionen für seine Zukunft mit Ihrem Unternehmen?
  • Respektiert Ihr potentieller Nachfolger Ihr Lebenswerk?

Vergessen Sie nicht: Zu den kritischen Vorüberlegungen gehört dabei auch zu hinterfragen, ob die Wettbewerbsfähigkeit des Unter­nehmens von Ihnen oder Ihrer Familie abhängig ist. Klären Sie vorab, ob sich Ihr Unternehmen auch unter fremder Führung am Markt behaupten könnte.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Publikation des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie unter Nur in gute Hände (PDF auf externem Server) sowie in der Checkliste auf Nachfolgewiki.

Um einen geeigneten Nachfolger zu finden, können Sie Unter­nehmens- und Nachfolgebörsen im Internet nutzen. Hier können Sie Ihren Betrieb präsentieren. Auch potenzielle Nachfolger haben die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten und Qualifikationen vor­zu­stellen. Die Einträge sind anonym. Erst wenn Sie als Über­geber Interesse daran haben, einen Nachfolger persönlich kennen­zu­lernen, stellen die Börsenbetreiber den direkten Kontakt her.

Wichtige Börsen sind:

nexxt-change Unternehmensbörse
Betriebsbörsen der Bayerischen Handwerkskammern
Nachfolgebörse der Bayerischen Architektenkammer
Nachfolgebörse der Bayerischen Ingenieurekammer Bau

Darüber hinaus stehen auch klassische Wege für eine Suche nach einem Nachfolger zur Verfügung. Hier bieten sich in Bayern folgende Kontaktmöglichkeiten an:

  • Industrie- und Handelskammern
  • Bayerische Handwerkskammern
  • Regionale Wirtschaftsverbände
  • Berufsverbände
  • Hans Lindner Stiftung
  • Tageszeitungen, Fachmedien
  • Persönliche Kontakte

Hier finden Sie die jeweiligen Ansprechpartner.

Wie sichere ich meine Altersversorgung?

Zu den entscheidenden Fragen, die Sie sich bei einer Unter­nehmens­über­gabe stellen müssen, gehört: Ist meine Alters­vorsorge nach Beendigung meiner beruflichen Tätigkeit sichergestellt?

In den seltensten Fällen sind Einkünfte aus der gesetzlichen Rentenversicherung ausreichend, um den eigenen Ruhestand zu finanzieren. Prüfen Sie daher gründlich, ob Ihre bisher getroffenen Vorsorgemaßnahmen ausreichen, um Ihren weiteren Lebens­unterhalt zu finanzieren. Sollte dies nicht der Fall sein, sind im Zusammenhang mit der Unternehmensübertragung möglichst Verein­barungen zu treffen, wie eine angemessene Altersversorgung realisiert werden kann.

Die Form der Unternehmensübertragung ist hierbei von entscheidender Bedeutung. Ganz gleich, wie diese aber geregelt wird, gilt: Idealerweise sollte die Altersversorgung einerseits ausreichen, um Ihnen den Ruhestand zu finanzieren und andererseits die Zahlungsfähigkeit und den Bestand des Unter­nehmens nicht zu gefährden.

Hinsichtlich Ihrer Altersversorgung gibt es unterschiedliche Lösungsansätze:

  • Kaufpreis als Einmalzahlung oder Rate
  • Pachtzahlungen
  • Pension/Betriebsrente

Unter folgenden Links können Sie weitere Informationen abrufen:

Für alle Fälle: Der Notfallplan

Die geplante Nachfolge ist der Idealfall der Unternehmens-übertragung. Oft erfordern jedoch unvorhersehbare Ereignisse, wie Krankheit, Unfall oder Tod des Inhabers, plötzliches Handeln. Doch was muss geregelt sein, damit im Notfall die Geschäfte des Unternehmens fortgeführt werden können?

Seien Sie für den Ernstfall gerüstet: Treffen Sie frühzeitig die notwendigen rechtlichen Vorkehrungen und erstellen Sie einen Notfallplan. Ziel sollte sein, alle Informationen, Dokumente und Vollmachten in einer Art Notfallordner abzulegen. Dieser sollte alle Informationen und Unterlagen enthalten, die für eine reibungslose Weiterführung des Unternehmens notwendig sind.

Zu den wichtigsten Dokumenten gehören:

  • Handlungs- und Kontovollmachten
  • Vertretungspläne sowie wichtige Kontaktdaten, etwa von Kunden, Lieferanten, Rechtsanwälten, Steuerkanzleien oder Wirtschafts­prüfern
  • Passwörter, Codes und PINs, beispielsweise für Computer oder für das Online-Banking
  • Gesellschaftsverträge, Handelsregister- und Grundbuchauszüge
  • Policen von Lebensversicherungen, Berufsunfähigkeits- und anderen Versicherungen
  • Kreditverträge
  • Ehevertrag
  • Testament, Erbvertrag
  • Persönliche Daten, zum Beispiel vom Führungspersonal und weiteren wichtigen Personen
  • Bilanzen der vergangenen drei Jahre
  • Aktuelle Betriebswirtschaftliche Auswertungen (BWA)
  • Vermögensaufstellung
  • Verzeichnis der wichtigsten Schlüssel, ihrer Aufbewahrungsorte sowie Namen und Kontaktdaten der Personen, die die Schlüssel aufbewahren

Die Unterlagen sollten zumindest jährlich überprüft und gegebenenfalls aktualisiert werden. Unterlagen und Schlüssel können bei einer hierfür geeigneten Stelle, zum Beispiel bei einem Rechtsanwalt, Steuerberater oder Notar, hinterlegt werden. Das Führungspersonal des Unternehmens oder Angehörige sollten über den Notfallordner informiert sein.

Unverzichtbar für den Notfallplan und von zentraler Bedeutung: Benennen und bevollmächtigen Sie rechtzeitig einen Stellvertreter oder Nachfolger, der die Geschäfte im Notfall weiterführen kann!

Hilfestellung zu Art und Umfang eines Notfallplans erhalten Sie bei den Beratungsstellen und unter folgenden Links: