Fakten zur Nachfolge

Die Aktualität des Themas Unternehmensnachfolge für den bayerischen Mittelstand bestätigt zuletzt eine Studie des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn. Im Auftrag des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Infrastruktur und Technologie wurden Bestimmungsgründe und Konsequenzen der Unternehmensnachfolge im Freistaat untersucht.
Befragt wurden dazu mittelständische eignergeführte bzw. Familienunternehmen, welche die Nachfolgeregelung bereits geklärt haben oder denen die Nachfolgeplanung noch bevorsteht.
Zahl der betroffenen Betriebe in Bayern
In Bayern wird sich künftig jährlich für etwa 12 000 Betriebe die Frage nach der Unternehmensnachfolge stellen. In jedem Jahr werden davon knapp 100 000 Arbeitsplätze betroffen sein.
Gründe für die Unternehmensübergabe
In fast 70 % der Fälle stellt altersbedingtes Ausscheiden den Grund für die Unternehmensübertragungen dar - für diesen Normalfall kann vorgesorgt und geplant werde.
Bei den restlichen 30 % tritt der so genannte Risikofall ein, welcher unterschiedliche Ursachen haben kann: In 46 % dieser Risikofälle wechselt der Unternehmer in einen anderen Tätigkeitsbereich. Dies kann aus Mangel an unternehmerischem Erfolg oder aufgrund einer veränderten Lebensplanung geschehen.
Mehr als die Hälfte der Fälle (54 %) aber sind unvorhersehbare Notlagen, in denen der Unternehmer die Betriebsführung ganz unerwartet wegen Unfall, Krankheit oder plötzlichem Tod abgeben muss.
Wer sind die Nachfolger?
Knapp die Hälfte der in Bayern auf den Generationswechsel zusteuernden eignergeführten Betriebe wird auch in der Zukunft familienintern weitergeführt werden. 11,3 % erhalten einen Nachfolger aus dem Mitarbeiterstab des Unternehmens, 12,1 % werden von einer externen Führungskraft übernommen und 13,5 % von anderen Unternehmen aufgekauft.
16,1 % der, zumeist kleinen, Betriebe sind jedoch gezwungen zu schließen, da kein geeigneter Nachfolger vorhanden ist. Hiervon werden jährlich knapp 7000 Arbeitsplätze im Freistaat betroffen sein.<bt> Bei den abgeschlossenen Übergaben handelt es sich zu 70 % um familien- oder betriebsinterne Nachfolgen. 10 % der Nachfolger kamen mit Hilfe von Dritten mit dem Alteigentümer in Kontakt: Bekannte, Unternehmensberater, Zeitungsannoncen und Banken spielten dabei die Vermittlungsrolle.</bt>
Vorkehrungen sind wichtig
Eine frühzeitige Nachfolgeregelung ist ein wichtiger Baustein zur Zukunftssicherung des eigenen Betriebs.
Stellvertreterregelungen gibt es in 49 % der Firmen und 25 % haben die Nachfolge langfristig in die Wege geleitet. Dennoch sind in 18 % der Unternehmen überhaupt keine Maßnahmen getroffen worden. Fällt der Inhaber dieser Betriebe unvermutet aus, so kann dies besonders gravierende Konsequenzen nach sich ziehen: Die unerwartete Nachfolgefrage bedroht oftmals die Existenz der Firma, selbst wenn ein Notfallplan vorhanden ist. Laut Studie ist dann mit negativen Auswirkungen auf die Unternehmensführung (38 %), die Unternehmensfinanzierung (28 %), Kunden (30 %) und Mitarbeiter (22 %) zu rechnen.
Finanzierung
Erfolgt die Unternehmensübertragung nicht in Form von Schenkung oder Vererbung, so werden zur Finanzierung der Nachfolge in der Hälfte der Fälle Eigenmittel eingesetzt, aber auch Bankkredite und Fördermittel.
Kompetenzen des Nachfolgers
Die befragten Unternehmen gaben an, dass zu einer erfolgreichen Übernahme vor allem persönliche und fachliche Kompetenz des Nachfolgers gehört, aber auch Attraktivität des Unternehmens.
Nachfolge als Chance
Betriebe, die die Nachfolge bereits vollbracht haben, sehen fast alle eine positive Entwicklung: Über 80% erarbeiteten neue Ideen, Produkte und Verfahren, aber auch von positiven Veränderungen der Technologie in Produktion und Verwaltung wird berichtet. Die Hälfte der Unternehmen konnte neue Märkte erschließen, Kunden- und Lieferantenbeziehungen verbessern, sowie ein verbessertes Arbeitsklima oder erhöhte Rentabilität verbuchen.
Informieren lohnt sich!
Fakten und Zahlen der Untersuchung in Bayern lassen also eindeutig einen Handlungsbedarf bei allen Beteiligten erkennen:
So ist es vor allem im Interesse der Unternehmer, das Thema einer Betriebsübertragung frühzeitig anzugehen, um den Fortbestand des mit viel Mühe aufgebauten Lebenswerks zu sichern. Nicht nur für den vorhersehbaren Fall eines altersbedingten Ausstiegs muss vorgesorgt werden, sondern gerade auch für nicht vorhersehbare Notfälle.
Dagegen bietet sich Existenzgründern die Übernahme eines bereits existierenden Betriebes als interessante Alternative an. Eine gut vorbereitete Nachfolge kann zu Wachstum und unternehmerischem Erfolg beitragen.
Weitere Informationen
- Studie zur Unternehmensnachfolge in Bayern (PDF / 745 KB)




